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Londoner Untergrund

Wer schon mal in London war, kennt sie bestimmt: die „underground“ bzw. die „tube“:

Das Umsteigen zwischen den Linien gleicht einer Tageswanderung in einem Labyrinth von Tunneln und Treppen. Während man links und rechts abbiegt, treppauf und treppab läuft, fragt man sich schon, wer denn das hier so umständlich geplant hat und ob diejenigen nicht zu viele Ales intus hatten. Die Antwort darauf ist ziemlich eindeutig:  Niemand hat das so geplant, das ist historisch so gewachsen. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts sind die U-Bahnlinien von Privatunternehmen gebaut und betrieben worden. Als diese fusionierten mussten  Verbindungstunnels zwischen den ehemals konkurrierenden Bahnhöfen gebaut werden, um ein unterirdisches Umsteigen zu ermöglichen.

Euston war ursprünglich die Heimat solcher zweier konkurrierender U-Bahn-Linien – der Charing Cross, Euston & Hampstead Railway  und der City & South London Railway. Diese beiden Unternehmen waren übrigens für die beiden getrennten Zweige der Northern Line verantwortlich, die wir bis heute haben (Verlauf über Bank bzw. Charing Cross). Die Northern Line hatte einen gemeinsamen Eingang innerhalb der Euston-Station und ihre eigenen Eingänge bzw. Bahnhöfe außerhalb. Die Unternehmen fusionierten 1914 zur Underground Electric Railways of London. Die beiden separaten Bahnhöfe wurden geschlossen (der Eingang Melton Street ist bis heute erhalten). Die neuen Tunnel verbanden also die Empfangshallen und Bahnsteige der vorher getrennten Unternehmen miteinander. Die Victoria Line entstand in den 1960ern, die Northern Line Tunnels wurden umgestaltet und die alten Tunnels abgeriegelt. Sie dienen jetzt als Lager für Wartungsmaterial, sowie zur Belüftung der Station.
 

Ich hatte das Glück, beim London Transport Museum einen begehrten Platz bei einer Fototour durch diese Tunnels, die sonst für die Öffentlichkeit gesperrt sind, zu ergattern. Als Lost Place-Liebhaber sind die vielen Plakate interessant, die aus den 60er Jahre stammen. Das Kassenhäuschen stammt übrigens noch aus der Zeit, als man sich beim Umsteigen zwischen den Linien noch ein neues Ticket des jeweils anderen Unternehmens kaufen musste. Eine Zeitkapsel im Londoner Untergrund.

Enjoy!

 

Noch ein kleines Schmankerl zum Schluss. Der tiefe Schmerz eines Berufspendlers in London, wenn die Mitarbeiter der London Underground streiken, ausgedrückt in einem herzergreifenden Lied:

Brandenburg …

Im Mai war wieder viel los. Unter anderem zog es mich wieder nach Beelitz in Brandenburg in die Beelitz-Heilstätten:

Zu essen brauchte ich nichts mitnehmen, war ja Spargel-Saison.

Tagsüber stiefelte ich also los und machte mich auf die Suche nach schönen verfallenen Motiven. Leider wurde ich in der Turnhalle der Männerklinik negativ überrascht, denn dort wurden die schönen russischen Wandmalereien überstrichen, da das Gebäude in der Zwischenzeit als Filmkulisse benutzt wurde:

turnhalle

Um einen Eindruch zu bekommen wie die Wandmalereien ausgesehen haben, hier eine 3-D-Ansicht, die ich 2012 in Beelitz angefertigt habe:

Speisesaal/Turnhalle Panorama

Die anderen Gebäude blieben unberührt, aber im Erdgeschoss waren viele Fenster verbarrikadiert, da sie von der hiesigen Jugend zerschmissen wurden. Beim Gang durchs Whitney-Houston-Haus wurden wir auch Zeuge von diesem schwachsinnigen Vandalismus. Kinners, geht Fussball spielen, macht Musik oder irgendetwas anderes Konstruktives. Durch die verbarrikadierten Fenster liegen die Erdgeschosse leider sehr im Dunkeln und es herrscht damit keine schöne Lichtstimmung. In den oberen Etagen bin ich dann aber doch fündig geworden. Die Mehrzahl der Bilder werde ich wohl als Hintergründe für meine anderen Projekte verwenden. Hier daher nur eine kleine Auswahl an Beelitz-Schätzen:

Hohenlychen

Bei meinem Berlin-Wochenende habe ich einen kleinen Ausflug in die Uckermark gemacht. In Lychen befindet sich eine wunderschöne alte leerstehende Heilstätte (http://de.wikipedia.org/wiki/Heilanstalten_Hohenlychen). Das Grundstück befindet sich in Privatbesitz, allerdings kann man bei go2know (www.go2know.de) eine Fototour buchen und sich dann frei und legal auf dem Gelände und in den Gebäuden bewegen.

Ideal für meine Sammlung an Hintergründen für meine Composings, endlich kann ich mal etwas Gruseligeres kreieren….

Eine kleine Auswahl: