Archiv der Kategorie: Fotografie

La Paz (Mexiko)

La Paz ist eine entspannte mexikanische Großstadt, die noch nicht von Touristen überlaufen ist wie der Süden der Baja California. Tagsüber war es sehr heiß und ohne Schatten nur schwer zu ertragen, aber ich wollte ein paar schöne Murals im Tageslicht fotografieren, die ich bei unserer Ankunft vom Auto aus entdeckt habe.
Mir fiel auf, dass unter den Murals neben der Signatur des Künstlers (fast) immer ein Logo prankte: Collectivo Tomate
Bei einem Kunstwerk hing eine Erklärung zu dieser Aktion:
 
 
 
Frei übersetzt heißt das:
Wir danken allen, die mit uns bei „Ciudad Mural La Paz“ teilgenommen haben, für den Glauben an die Veränderung der Umwelt durch Dialog und Kunst.
Mit offenem Herzen aufgenommen,  spiegeln sich die Geschichten der Stadt in den Murals und fordern zur Erhaltung der Meeresressourcen auf.
 
Hier also ein Teil der Aktion und daneben auch andere Murals und Graffitis. Wer sich dafür interessiert, Collectivo Tomate gibt es auf Facebook.

 

 
Bei Beginn der Dämmerung erwachte die Stadt zum Leben. Am Malecon herrschte ein buntes Durcheinander, Fahrradfahrer, Inlineskater, Jogger, Skater wuselten zwischen den Spaziergängern. Mit einem leckeren Eis bewaffnet konnte man sich entspannt treiben lassen.
Ein kleines Beachvolleyball-Turnier hatte hier seinen Platz genauso wie Verkaufsstände und fahrende Verkäufer. Ein Autokorso quälte sich sobald es dunkel wurde an der Strandpromenade vorbei. Sehen und gesehen werden lautet das Motto. Ein Traum für Künstler und Selbstdarsteller. Ein freestyle battle rap passte daher zur Stimmung. Das Video zeigt leider nur die letzte Hälfte des battles, aber der junge Mann wurde von den Zuschauern eindeutig zum Sieger des battles gekürt.
 

London St. James Park

Die Engländer und ihre Liebe zu Gärten sind weltbekannt und dementsprechend gepflegt sind auch die meisten Parks, egal ob groß oder klein, ob prominent oder versteckt. Man kommt von einer lärmenden Hauptstraße und sieht ein Eisengatter mit einem kleinen Schild das das Wörtchen Park oder Garden enthält. Öffnet man das Gatter, findet man sich in einer anderen Welt wieder. Alles ist grün, wunderschöne angelegte Beete blühen vor sich hin, Parkbänke laden zum Sitzen ein und die laute hektische graue Großstadtwelt ist mit einem Mal ganz weit weg. Viele kleine grüne Oasen verstecken sich in Londons Straßen, alle für die Öffentlichkeit zugänglich. Man muss nur die Augen offenhalten, da die Zugänge nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Man darf wirklich rein, es wird nicht geschossen.

Mit einem Kaffee, Sandwich, meiner Kamera und einem guten Buch bewaffnet ging ich das schöne Sonntagswetter diesmal im großen St. James Park genießen. Die beste Zeit für einen Besuch im diesem Park ist, wenn im Buckingham Palace mit viel Tamtam der Wachwechsel stattfindet. Dann warten nämlich alle Touris schon Stunden vorher am Tor des Palastes, um sich einen guten Platz zu sichern, und der Park daneben ist wie ausgestorben.

Ein alter Herr steht im Park und füttert die Eichhörnchen, die sich frech und völlig ohne Scheu ihre Nüsschen erbeuten. Während ich mich hinknie und meine Kamera auf ein Eichhörnchen fokussiere, merke ich ein Kratzen am Bein. Ich schaue auf und bin Aug in Aug mit einem anderen Eichhörnchen, das auf meinem Oberschenkel sitzt, die Vorderpfötchen in meinen Unterarm krallt und mich fragend anguckt: Hattu Nüsschen? Der Herr gibt mir lachend was ab und wir erfreuen uns gemeinsam an den quirligen Viechern. Schließlich kommt auch noch ein Halsbandsittich angeflogen, der sich sein Frühstück abholt.

Bei tot aufgefundenen Londoner Eichhörnchen wurde übrigens der Lepra-Erreger nachgewiesen. Einmalig in Europa. Und Eichhörnchen füttern ist im St. James Park verboten. 🙁

 

Londoner Untergrund

Wer schon mal in London war, kennt sie bestimmt: die „underground“ bzw. die „tube“:

Das Umsteigen zwischen den Linien gleicht einer Tageswanderung in einem Labyrinth von Tunneln und Treppen. Während man links und rechts abbiegt, treppauf und treppab läuft, fragt man sich schon, wer denn das hier so umständlich geplant hat und ob diejenigen nicht zu viele Ales intus hatten. Die Antwort darauf ist ziemlich eindeutig:  Niemand hat das so geplant, das ist historisch so gewachsen. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts sind die U-Bahnlinien von Privatunternehmen gebaut und betrieben worden. Als diese fusionierten mussten  Verbindungstunnels zwischen den ehemals konkurrierenden Bahnhöfen gebaut werden, um ein unterirdisches Umsteigen zu ermöglichen.

Euston war ursprünglich die Heimat solcher zweier konkurrierender U-Bahn-Linien – der Charing Cross, Euston & Hampstead Railway  und der City & South London Railway. Diese beiden Unternehmen waren übrigens für die beiden getrennten Zweige der Northern Line verantwortlich, die wir bis heute haben (Verlauf über Bank bzw. Charing Cross). Die Northern Line hatte einen gemeinsamen Eingang innerhalb der Euston-Station und ihre eigenen Eingänge bzw. Bahnhöfe außerhalb. Die Unternehmen fusionierten 1914 zur Underground Electric Railways of London. Die beiden separaten Bahnhöfe wurden geschlossen (der Eingang Melton Street ist bis heute erhalten). Die neuen Tunnel verbanden also die Empfangshallen und Bahnsteige der vorher getrennten Unternehmen miteinander. Die Victoria Line entstand in den 1960ern, die Northern Line Tunnels wurden umgestaltet und die alten Tunnels abgeriegelt. Sie dienen jetzt als Lager für Wartungsmaterial, sowie zur Belüftung der Station.
 

Ich hatte das Glück, beim London Transport Museum einen begehrten Platz bei einer Fototour durch diese Tunnels, die sonst für die Öffentlichkeit gesperrt sind, zu ergattern. Als Lost Place-Liebhaber sind die vielen Plakate interessant, die aus den 60er Jahre stammen. Das Kassenhäuschen stammt übrigens noch aus der Zeit, als man sich beim Umsteigen zwischen den Linien noch ein neues Ticket des jeweils anderen Unternehmens kaufen musste. Eine Zeitkapsel im Londoner Untergrund.

Enjoy!

 

Noch ein kleines Schmankerl zum Schluss. Der tiefe Schmerz eines Berufspendlers in London, wenn die Mitarbeiter der London Underground streiken, ausgedrückt in einem herzergreifenden Lied:

Aliens in London

Wieder mal in London beschloss ich, einen kleinen Spaziergang zu machen, an der Themse entlang von der Lambeth Bridge bis zur London Bridge. Dabei fiel mir auf, dass der Big Ben derzeit völlig eingerüstet ist:

Und dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren, warum Big Ben renoviert werden muss:

Doctor Who ist aber auch weniger zerstörerisch in London präsent. An der U-Bahn-Station Earl’s Court steht eine Tardis. Ok – eine Replika einer Police Box von Doctor Who:

Police Boxes wurden bis ca. 1970 in Großbritannien benutzt. Zum Einen, damit Bürger einen direkten telefonischen Draht zur nächsten Polizeistation hatten, zum Anderen konnten Polizisten Straftäter innerhalb der Zelle festsetzen.
Doctor Who’s Tardis ist ein Raumschiff inkl. Zeitmaschine, das nach einer Landung in Großbritannien in den 60er Jahren als Tarnung eben diese Police Box ausgesucht hat. Theoretisch passt sich eine Tardis immer ihrer Umgebung an. Leider kann sie aber seit diesem Besuch wegen einer Fehlfunktion ihr Äußeres nicht mehr ändern. Daher tobt Doctor Who seit über 50 Jahren in einer Police Box durch Raum und Zeit:

Originale Police Boxes gibt es z.B. noch in Glasgow, die ich im Mai auf meiner Schottlandreise aufsuchen werde. Die haben zwar ein anderes Design, aber egal.

In diesem Sinne:

 

Colors of Reykjavík

Eine besonders schöne Überraschung für mich war der Spaziergang, den wir am letzten Tag vor dem Heimflug aus Island in Reykjavík gemacht haben:
An vielen Häuserwänden prangten prachtvolle Murals, bunte gutgemachte Graffitis lockerten das Stadtbild auf und an vielen Ecken gab es Stickerkunst zu entdecken. Leider konnte ich wegen Zeitmangel nicht alles ablichten. Ein Glück, dass ich vorhabe, nächstes Jahr wieder nach Island zu fliegen – dann kann ich ein bisschen durch Reykjavík stöbern und sicher noch mehr entdecken.

Land of Ice and Northern Lights

Nachdem ich im Februar auf den Lofoten das Glück hatte, Polarlichter zu beobachten, wollte ich das Erlebnis wiederholen. Polarlichter machen süchtig. Sind aber definitv gesünder als Nikotin und Alkohol.
Da ich schon immer mal nach Island wollte, war die Lösung naheliegend. Aufgrund der positiven Erfahrung mit meiner ersten Fotoreise im Februar (bin ja sonst etwas skeptisch bei Gruppenreisen), machte ich mich auf die Suche nach einer Polarlicht-Fotoreise nach Island und wurde bei Freiraum Fotografie fündig.

Schon der Anflug versprach viel. Der Öræfajökull zeigte sich in all seiner Pracht. Kleiner Check aus dem Flugzeugfenster: Vulkan ist noch heile. Seit Oktober regt sich die Region, das Eis im Krater sinkt ab. Kann man anhand von Landsat-Fotos sehen.

Nach einer Nacht in Reykjavík ging es nach Grundarfjörður, wo wir die kommen Tage und Nächte unsere Basis zur Polarlichtjagd hatten. Die Location bietet sich an, weil der Kirkufjell um die Ecke ist und bei Polarlicht ein geiles Motiv hergibt. Leider wurden die Vorhersagen immer schlechter, so dass wir uns mit schwachen Polarlichtern zufriedengeben mussten.
Laut isländischem Glauben dürfen Betrachter weder winken, singen noch pfeifen, wenn Nordlichter am Himmel schweben. Sonst werden die Geister der Lichter aufmerksam und kommen auf die Erde, um den Betrachter zu holen. Was man machen muss, um Polarlichter anzulocken, ist unklar. Jungfrau opfern wäre mein Tipp, klappt sonst immer, ist aber in einer Reisegruppe bestehend aus Erwachsenen etwas schwierig zu bewerkstelligen. Tja. Daher nur schüchterne Geister am Himmel:

 
Das Wetter war uns aber wohlgesonnen. Sonne, Wolken, allzeit trocken. Wenn Engel reisen, lacht der Himmel…
Daher konnten wir die Halbinsel Snæfellsnes fotografisch gründlich erkunden. Nebei blieb auch Zeit, leckeren Hákarl zu verköstigen und Islandpferde kennenzulernen (nicht andersrum – Obacht – ein herzhafter Biss in ein Islandpferd führt zu unschönen Hufabdrücken in diversen Körperregionen).

 
Am letzten Tag hatten wir noch ein Zeit, Reykjavík zu erkunden. Was mir auffiel, war die große Zahl an Streetart, darüber aber demnächst mehr.

 
Auf dem Flug zurück blieb nur noch der Soundtrack der Reise und der Entschluss, Island im nächsten Jahr wieder zu besuchen. Island macht auch süchtig.

Hach. Schee wars. Ég fer til Íslands á næsta ári. Danke an Peter Fischer von Freiraum Fotografie, der uns sicher an die Locations gebracht hat, uns Tipps gegeben hat und die Polarlichtaktivität immer unermüdlich im Blick hatte. Profi halt.

Beelitz Heilstätten in anderem Licht

Es ist schon ein Weilchen her, da hab ich mich im Winter nach Beelitz aufgemacht. Dort führte  Zolaq eine kleine Gruppe von Fotografen in die Kunst des Lightpaintings ein.
Ein paar Menschen gehen nachts in eine verlassene Heilstätte – so fangen doch viele Horrorfilme an, dachte ich mir zuerst.
Doch wir sind alle durchgefroren, aber sehr lebendig und mit schönen Fotos wieder rausgekommen.

In der Zwischenzeit bin ich leider nicht viel zum Ausprobieren gekommen, aber ich habe im Dezember angefangen, mir LED-Konstruktionen zu basteln. Im Februar bin ich wieder bei einem Workshop von Zolaq, dann werde ich mir noch ein paar Tipps holen.

To hell or Connaught

Im wilden Westen an der rauen Atlantikküste (mit Palmen und Sandstrand), wo die Menschen im Alltag Gälisch reden, liegen  die Connemara und die Aran Islands.

Heute strahlt der Westen Irlands eine pittoreskse Ruhe aus. Früher  war die historische Provinz Connacht die ärmste und am stärksten benachteiligte Region Irlands, in der niemand leben wollte. 
Zum Fischen braucht man ein Boot, zur Schafzucht Schafe. Also eine schwierige Gegend, wenn man nichts davon hatte. Ackerbau war/ist dort im torfigen Boden kaum möglich.

Die Besiedlung des Westens wurde nach der Eroberung Irlands durch die Englänger, allen voran Oliver Cromwell:
Nachdem der englische König Charles I. am 29. Januar 1649 hingerichtet worden war, wurde Cromwell nach Irland geschickt, um die Royalist Army zu unterwerfen. Daraus wurde bald ein Krieg, um die „ultimative Lösung“ des irisch-katholischen Problems herbeizuführen. Mit dem Act for the Settlement of Ireland 1652 wurde das Land, das den Iren gehörte, wurde – außer dem armen Gebiet westlich des Shannon –  beschlagnahmt und der Befehl „Zur Hölle oder nach Connaught“ war die Warnung an alle, dass sie hingerichtet werden würden, falls sie blieben.
Über 600.000 Männer, Frauen und Kinder waren während des Krieges umgekommen. Ungefähr 850.000 blieben; und für diese oder so viele von ihnen, die nicht als Sklaven auf die Westindischen Inseln verkauft oder aber gehängt  wurden, ging aus dem Dekret hervor, dass, wenn sie östlich des Shannon jenseits eines bestimmten Datums gefunden wurden, sie auch getötet werden sollten. Das angegebene Datum war der 1. Mai 1654. Viele konnten aber trotzdem auf ihrem Land bleiben, wurden aber enteignet und mussten das Land wiederum pachten.

Soundtrack dieser Reise waren The Pogues. Hier ein kleines Liebeslied an Cromwell:

 

 

London Calling

Es gibt Städte, in denen ich mich auf Anhieb wohl fühle, fast schon wie zu Hause. Neben Kopenhagen und natürlich München gehört London definitiv dazu. Flächenmäßig ist die Stadt riesengroß, die Einwohnerzahl mit fast 9 Millionen gigantisch. Aber trotzdem habe ich kaum unentspannte Leute gesehen. Die U-Bahn ist brechend voll, aber es wird dann doch meist mit Humor genommen. London ist für mich die City of London mit ihren verhuschten kleinen Gässchen, in denen Jack the Ripper jeden Moment um die Ecke springen könnte. London ist für mich West End, wo sich ein Theater an das nächste schmiegt und versucht mit riesigen Billboards die Besucher in ihr Etablissement zu locken. London ist Soho mit den vielen Kneipen oder Chinatown mit leckerem Essen.

Wer sich nach London verirren sollte, ist bei Insider London und seinen speziellen Stadtführungen gut aufgehoben. Besonders interessant fand ich die London Underground Tour über die Geschichte der berühmten Londoner U-Bahn. Unser Guide hatte einen Begeisterungslevel von Steve Irwin und die steckte auch alle an.

Fotografen sind wiederum bei Corinna von Hairy Goat in sehr guten Händen. Die Mystery Tour ist sehr empfehlenswert, da man hier gerade nicht alle typischen Londoner Markenzeichen runternudelt, sondern in die etwas versteckteren Ecken geführt wird und wie nebenbei sehr viel über Londons Geschichte erfährt. Corinna ist vom Fach und hat auch einen sehr trockenen Humor, aber das kann man sich schon denken – bei der Namenswahl ihrer Firma.