Scotland – Outer Hebrides

Überblick

Wen es im Frühjahr oder Herbst nach Schottland zieht, sollte einen Besuch der Äußeren Hebriden in Betracht ziehen. Die Inselgruppe ist dem schottischen Festland nordwestlich vorgelagert und trotzt dem rauen Atlantik.

Wer sich einen schönen lierarischen Eindruck von den Äußeren Hebriden machen will, kann in die Bücher von Peter May reinschnuppern:

The Blackhouse: Book One of the Lewis Trilogy
The Chessmen (The Lewis Trilogy) 
The Lewis Man (The Lewis Trilogy)

Die Romane spielen auf hauptsächlich Lewis bzw. Harris und spiegeln die Atmosphäre auf den Inseln einmalig wider.

Wem meine Bilder zu lasch sind, Peter May hat auch einen schönen Bildband herausgebracht:

Detaillierte Wanderkarten gibt es bei  der Ordnance Survey. Begriffe, die auf den Karten auftauchen, die natürlich komplett gälisch sind:

loch See
ben Berg
glen Tal
peat Torf
cairn gäl. stehender Stein
craig gäl. Felsen
dun gäl. Festung
inver, aber gäl. Flußmündung
broch gäl. Turm

Damit ist man eigentlich schon für einen Besuch gut vorbereitet. Fährtickets bei der Caledonian MacBrayne schon vor Reiseantritt buchen, da die Fähren zwischen den Inseln nicht besonders groß und daher schnell voll sind.

Historisches

Die Äußeren Hebriden sind trotz ihrer Unwirtlichkeit schon sehr lange bewohnt. Kelten, Pikten, Wikinger (bzw. Nordmänner) haben die Inseln besiedelt und ihre Spuren hinterlassen.
Daher geben die Äußeren Hebriden archäologisch sehr viel her. Harris und Lewis stechen dabei besonders hervor, wobei hier nicht nur die bekannten Callanish Stone Circles stehen, sondern etliche Cairns, Duns und Brochs.

Hier ein grober Abriss, wie die archäologischen Funde zeitlich einzuordnen sind (danke an Dave, s.u.):

  • Mesolithic: c.700-4500BC (middens mainly shells)
  • Neolithic: c.4500-2500BC (chambered cairns, stone circles and stone settings)
  • Early Bronze Age:c.2500-1200BC (cairns, kerb cairns, cremation burials and single standing stones)
  • Middle to Late Bronze Age: c.1200-300BC (cains, kerb cairns, cremation burials and single standing stones)
  • Iron Age: c.300BC-400AD (Brochs, Duns and Wheelhouse)
  • Pictish period: c.400-900AD (small square cairns and inscribed stones)
  • Viking period: c.795-1266AD (long house and large mounds/middens)
  • Medieval period: c.1266-1700AD (chapels)
  • Crofting period: c.1700-modern time (Blackhouse, rigs)

Barra und Vatersay

Wir sind mit der Fähre von Oban nach Castlebay übergesetzt. Vier Stunden dauerte die Überfahrt, aber wir konnten dem schlechten Wetter des Festlands entkommen und die Hebriden begrüßten uns mit Wind und Sonnenschein. Barra kann man mit dem Auto in ca. einer halben Stunde umrunden, was wir dann tags darauf auch zusammen mit Rob, einem pensionierten Lehrer, gemacht haben. Rob führte uns auch nach Vatersay, die südlichste bewohnte Insel, die man mit dem Auto erreichen kann. Nebenher dudelten die Vatersay Boys von der CD, die wie der Name schon sagt, von Vatersay kommen. Da kennt jeder jeden.

(Alba heißt Schottland auf gälisch, BBC Alba ist also BBC Schottland)

Ein Highlight auf Barra ist natürlich der „Flughafen“, der von Logan Air von Glasgow aus angeflogen wird.

North und South Uist, Eriskay

Die Uists und Eriskay bieten vor allem Sandstrände und Salzmarschen:

Spannend war auf Uist nur die Überfahrt von Eriskay nach Harris. Wegen Sturmwarnung waren die Fähren für den nächsten Tag in Wartestellung und es war nicht klar, ob wir weiterkommen. Die nette Bardame im Hotel, deren Mann Meteorologe auf einer Ölbohrplattform ist, hat uns einen heißen Tipp gegeben: Die Fährroute wird nur gesperrt, wenn ein starker Südostwind herrscht – vom Westen her ist sie durch eine kleine Inselkette geschützt. Sie hat uns die Seite genannt, die die Inselbewohner für die Wettervorhersage benutzen, die stündliche Windrichtungen und – stärken prognostiziert:

xcweather.co.uk

Empfehlenswert ist auch der Twitteraccount von CalMac (@CalMac_Updates), die von 8 – 20 Uhr bei Fragen erreichbar sind und sehr schnell und freundlich antworten.

Aber alles ging gut. In strömendem Regen warteten wir im Auto am Fährhafen. Die Wolken lichteten sich und wir wurden sogar mit einem schönen Regenbogen für unsere Geduld belohnt.

Harris und Lewis

Am beeindruckendsten sind dann doch die nördlichsten Inseln Harris und Lewis. Die Grenze dazwischen ist übrigens ein wenig merkwürdig gezogen: Der ehemalige Besitzer der Insel Skye besaß auch Land auf den Hebriden, deshalb entspricht die Grenze von Harris (sein Eigentum) zu Lewis in etwa dem Breitengrad des nördlichsten Punktes von Skye.

Landwirtschaft

Die Erdschicht ist sehr dünn auf den Inseln, deshalb ist die Landwirtschaft im Sinne von Ackerbau nicht oder nur geringfügig vertreten. Was man früher gemacht hat, war dass man die Erde in Reihen aufgehäufelt hat, um z.B. Kartoffeln pflanzen zu können. Die mittlerweile mit Gras überwachsenen Reihen kann man heute noch erkennen (lazy bed).  Die Reihen wurden zwischen Farmern zum Bearbeiten aufgeteilt und es wurde periodisch durchgetauscht (run rig), damit keiner meckern konnte, dass ihm das schlechteste Stück zugeteilt wurde.

Übernachtung

Übernachtet haben wir bei Miranda und ihrem Mann Angus, die ein Croft bearbeiten. Crofts sind kleine Landeinheiten, die von den Schotten in den Highlands und auf den Inseln für den Eigenbedarf bewirtschaftet werden. Besonders stolz war Miranda auf ihre Appenzeller Hühner, die abends nur in den Stall gehen, wenn sich im Sommer die Midgets ausbreiten. Ansonsten schlafen sie in den Sträuchern, egal wie das Wetter ist. Spencer, der Hauskater hat uns auch auf Trab gehalten, weil er seine Sportübungen quer durchs ganze Haus verrichtet hat und wir ihm die Fenster dafür geöffnet haben. Katzenpersonal. Aber wer kann dem herzzereissenden Blick und Gemiaue schon widerstehen?

Archäologie

Archäologisch sind wie schon bereits erwähnt hier die vielfältigsten Fundstätten. Hier war Dave, seines Zeichens englischer Archäologe, so nett und hat uns die Inseln mit seinen Schätzen gezeigt. Doch obwohl wir den ganzen Tag unterwegs waren, haben wir nicht alles gesehen. Beeindruckend natürlich die Standing Stones of Callanish.

Callanish

Wir sind natürlich eines Abends dann nochmal ohne Dave hingefahren, um ein bisschen Lightpainting zu machen. Beim Warten aufs Dunkelwerden fielen uns zwei Pärchen auf. Ein Pärchen, dass dort wohl die Nacht in einem Bulli verbringen will, der Mann mit Fotoausrüstung unterwegs. Ein anderes Pärchen, das defintiv seeeehr seltsam drauf war. Als alle weg waren (bis auf uns) lief sie leise in hohen Tönen singend mit der Rassel durch den Steinkreis und lehnte sich immer wieder an die Steine an. Er sang nicht, dafür küsste und liebkoste er Stein um Stein. Im Zeichen von #metoo fanden wir das übergriffig, weil sich die Steine nicht wehren können. Der Fotograf hat übrigens auch Lightpainting gemacht, uns aber den Vortritt gelassen, da sie ja die ganze Nacht noch vor sich hatten. Also auch auf den Hebriden am Ende der Welt heißt es anstehen bei den Sehenswürdigkeiten.

Religion

Harris und Lewis sind fest in der Hand der presbyterianischen Kirche, d.h. sonntags darf man nicht auf offene Restaurants oder gar Tankstellen hoffen. Saufen tun die Inselschotten sonntags aber trotzdem, da wird sich dann in Hütten getroffen und man hofft, das der Pfarrer nicht mitkriegt.
In Stornoway gibt es klassisch schottisch ein Chinese TakeAway, das offen hat und nur geringfügig Bauchschmerzen verursacht. Fähren und Flüge gibt es sonntags, aber erst seit den 2000er Jahren. Eigentlich völlig inkonsequent.

Die archäologischen Fundstellen sind der Kirche und den Tiefgläubigen ein Dorn im Auge, weil hier ja „falsche“ Götter angebetet werden und das alles sowieso ein Werk des Teufels ist. Einmal zur Sommersonnenwende ging das Gerücht um, dass in Callanish lauter Nackte im Steinkreis tanzen wollen, um den heidnischen Göttern zu huldigen. Dies führte zu einem Verkehrskollaps, weil nur eine Straße zu dem Steinkreis führt und alle die Nackten sehen wollten, die natürlich nie aufgetaucht sind. Menschen.

Black House – White House

Eine Eigenheit der Highlands und der Hebriden sind die Black Houses.  Es wurde üblicherweise aus doppelwandig gebaut, der Zwischenraum verfüllt mit Erde oder Torf.  Der Boden bestand üblicherweise aus Steinplatten oder Erde. Meist in der Mitte des Wohnraumes befand sich eine zentrale Feuerstelle, in der ein Feuer permanent brannte. Gewöhnlich wurde Torf zur Feuerung verwendet. Das Dach hatte keinen Rauchabzug, der Rauch zog durch das Dach. Das Black House bot sowohl Platz für Menschen als auch für Vieh. Menschen und Tiere lebten auf entgegengesetzten Seiten des Hauses, mit einer Trennwand dazwischen. Die Black Houses wurden beginnend mit den 1880ern und abgelöst von den White Houses: Der Haushalt der Menschen wurde von den Ställen der Tiere getrennt. Die Häuser hatten Rauchfänge und Fenster. Whitehouses hatten Nachteile: Etwa zog die Wärme des Rauches nun durch den Rauchfang ab und es zog in den Häusern. Die Leute wurden tatsächlich eher in den White Houses krank, da diese nicht so isoliert waren. Mit dem Umzug in die White Houses verringerte sich die Lebenserwartung, was auf den ersten Blick merkwürdig erscheint. Es wird vermutet, dass der Torfrauch antiseptische und entzündungshemmende Eigenschaften hat, so dass Bewohner der Black Houses seltener an Infektionskrankheiten litten als die Bewohner der White Houses.

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