Brandenburg …

Im Mai war wieder viel los. Unter anderem zog es mich wieder nach Beelitz in Brandenburg in die Beelitz-Heilstätten:

Zu essen brauchte ich nichts mitnehmen, war ja Spargel-Saison.

Tagsüber stiefelte ich also los und machte mich auf die Suche nach schönen verfallenen Motiven. Leider wurde ich in der Turnhalle der Männerklinik negativ überrascht, denn dort wurden die schönen russischen Wandmalereien überstrichen, da das Gebäude in der Zwischenzeit als Filmkulisse benutzt wurde:

turnhalle

Um einen Eindruch zu bekommen wie die Wandmalereien ausgesehen haben, hier eine 3-D-Ansicht, die ich 2012 in Beelitz angefertigt habe:

Speisesaal/Turnhalle Panorama

Die anderen Gebäude blieben unberührt, aber im Erdgeschoss waren viele Fenster verbarrikadiert, da sie von der hiesigen Jugend zerschmissen wurden. Beim Gang durchs Whitney-Houston-Haus wurden wir auch Zeuge von diesem schwachsinnigen Vandalismus. Kinners, geht Fussball spielen, macht Musik oder irgendetwas anderes Konstruktives. Durch die verbarrikadierten Fenster liegen die Erdgeschosse leider sehr im Dunkeln und es herrscht damit keine schöne Lichtstimmung. In den oberen Etagen bin ich dann aber doch fündig geworden. Die Mehrzahl der Bilder werde ich wohl als Hintergründe für meine anderen Projekte verwenden. Hier daher nur eine kleine Auswahl an Beelitz-Schätzen:

Fantasy Filmfest Nights 2016

Letztes Wochenende war es mal wieder soweit:

Zwei Tage lang liefen in München im Cinemaxx die Fantasy Filmfest Nights mit ungewöhnlichen Filmen gewürzt mit Action, Grusel, Horror, Thriller. Die Auswahl war bis auf wenige Ausnahmen wieder sehenswert. Binge-Watching im Kino bis die Augen schmerzen.

Meine Lieblinge waren The Lobster, High-Rise, Emilie.

Filme am Samstag:

Filme am Sonntag:

The Witch (USA, GB, CAN 2015) @FFFN 2016

Neuengland im 17. Jahrhundert: Das Ehepaar William (Ralph Ineson) und Katherine (Kate Dickie) wird aus der Dorfgemeinschaft ausgestoßen und führt nun mit seinen fünf Kindern ein tiefreligiöses, christliches Leben am Rande eines geheimsvollen Waldes, der angeblich von einer Hexe bewohnt wird. Schon bald häufen sich die merkwürdigen Vorkommnisse, die Tiere drehen durch, die Ernte geht ein und dann verschwindet auch noch eines der Kinder unter den Augen seiner Schwester Thomasin (Anya Taylor-Joy), während ein anderes besessen zu sein scheint. Die Eltern können sich auf die Geschehnisse keinen Reim machen und wissen nicht mit den Vorwürfen der Zwillinge Jonas (Lucas Dawson) und Mercy (Ellie Grainger) umzugehen, die Thomasin der Hexerei bezichtigen. Der Wahnsinn hält schleichenden Einzug in die Familie. Gefangen in Isolation und Aberglauben entscheidet sich das Schicksal der Familie in einem wirbelnden Chaos aus Gewalt und Irrsinn.

Der Zuschauer erhält Einblick in eine Zeit, in der der Aberglaube und der Glaube an Teufel, Dämonen und Hexen allgegenwärtig waren. Die panische Angst der  gottesfürchtigen Menschen, insbesondere  Katherine,  vor Hexerei treibt die Familie in die Unmenschlichkeit.
Ein packender Gruselstreifen, der puritanische Seelen erschaudern läßt.

Green Room (USA 2015) @FFFN 2016

Die junge Punkband nennt sich „The Ain‘t Rights“ und sind chronisch pleite.  Um Magen und Tank füllen zu können zieht ein befreundeter Journalist mittels familiärer Beziehungen einen neuen Gig an Land. Aber was Tiger, Sam, Pat und Reece im hintersten Winkel von Oregon erwartet, hatte keiner von ihnen kommen sehen. Die Punks verärgern bereits mit ihrem ersten Song, einem Cover der Dead Kennedys, sie das Publikum, das sich als angetrunkene Horde hinterwäldlerischer Neonazis herausstellt. Ansonsten liefern sie ein glänzendes Livekonzert ab. Als die Leiche einer jungen Frau und deren Mörder im Warteraum der Band auftauchen, stellen die unfreiwilligen Zeugen eine potenzielle Gefahr für die Nazi-Gang dar. Anführer Darcy (Patrick Stewart) setzt nun alle Hebel in Bewegung, damit die Punks den sogenannten Green Room nicht mehr lebend verlassen. Ein spannender Kampf ums Überleben beginnt.

In diesem düsteren Thriller spielt Patrick Stewart als Kopf einer Nazi-Bande mal den Bösen. Steht ihm aber gut. Die Verzweiflung der Gefangenen und die beklemmende Stimmung des Films zieht den Zuschauer in den Bann. Absolut sehenswert.

 

Moonwalkers (GB, FR 2015) @FFFN 2016

Wir wussten es ja schon immer: *rückt Aluhut zurecht* die Mondlandung ist ein Fake.

Ein traumatisierter, gewaltbereiter Vietnam-Veteran (Ron Perlman) wird vom CIA mit einer heiklen Mission betraut. Er soll 1969 nach London reisen, um Stanley Kubrick zu rekrutieren. Der Regisseur ist gerade durch 2001: A SPACE ODYSSEY in aller Munde und soll nun für die Amis eine Mondlandung inszenieren, falls die echte Apollo-Mission scheitert. Durch eine Verwechslung geraten Perlman und sein prall gefüllter Geldkoffer allerdings an den erfolglosen Bandmanager Jonny (Rupert Grint) und einen Haufen dysfunktionaler, dauerbreiter Hippies. Es hilft aber nix: die Apollo-Mission rückt dem Mond immer näher und die schrille Zweckgemeinschaft muss die filmische Fälschung irgendwie auf die Beine stellen.

Bunte und durchgeknallte Komödie. Die Story ist leider nicht richtig schlüssig, da selbst der verblödeteste CIA-Agent mit einem Haufen Hippies auf Drogen kein so wichtigen Auftrag erledigen würde. Aber gut. Die Bilder und allem voran der herrlich psychedelische Trip sind sehr kreativ. Insgesamt aber eine Überdosis von allem.

The Lobster (IRL, GB 2015) @FFFN 2016

Irgendwann in naher  Zukunft: Das Leben als Single ist unakzeptabel, Alleinsein nicht erwünscht und wird entsprechend verfolgt. Nachdem ihn seine Frau verlassen hat, findet sich unser Protagonist David (Collin Farrell) folgerichtig in einem Hotel wieder, in dem ihm 45 Tage gewährt werden, um unter den Gästen eine neue Partnerin zu finden. Gelingt dies nicht, droht die umgehende Verwandlung in ein Tier seiner Wahl und die anschließende Aussetzung im nahen Wald. Jeden Abend findet in diesem Wald eine Jagd mit Betäubungspfeilen statt. Die Beute sind keine Tiere, sondern andere Singles und für jeden Treffer erhalten die Hotelgäste einen weiteren Tag Galgenfrist im Hotel. Eigentlich hat sich David schon mit seinem Schicksal als zukünftiger Hummer abgefunden, doch draußen in der Wildnis leben die gesetzlosen Loner, deren Auffassung von Partnerschaft eine völlig andere ist, aber ebenso unerbittlich. David findet sich plötzlich in ihrer Mitte wieder und es nimmt eine groteske Romanze ihren Lauf.

Schräger utopischer Film mit vielen skurrilen Charakteren. Eine Satire über Partnerschaft und Liebe. Lieblingsspruch: „Wir tanzen alleine, deshalb hören wir elektronische Musik.“
Sehr sehenswert mit einem überzeugenden Collin Farrell.

The Survivalist (GB 2015) @FFFN 2016

Ein apokalyptischer Film der anderen Art. Er spielt in einer Zukunft, in der die Erdölvorkommen zur Neige gehen und die Bevölkerung dadurch rapide abnimmt und ums Überleben und die Ressourcen kämpft.
Der namenlose Einsiedler hat sich völlig von der Außenwelt in einer kleinen armseligen Hütte im Wald abgeschottet und lebt von dem, was die Natur ihm gibt. Er baut in seinem kleinen Garten hingebungsvoll ein wenig Gemüse an. Seine Isolation verteidigt er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Eindringlinge werden unbarmherzig mit Fallen getötet.
Eines Tages steht eine Frau mit ihrer Tochter vor seiner Hütte und bittet um Schutz und Hilfe. Er läßt sie zögerlich in seine Hütte und in sein Leben. Damit beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel voller Misstrauen und Angst. Und obwohl sich in dieser mitleidlosen Welt jeder selbst der Nächste ist, müssen die drei bald feststellen, dass die Paranoia unter dem gemeinsamen Dach immer noch besser ist als das, was draußen auf sie lauert.

Der Film besticht durch die endlose Stille, die im Wald herrscht. Kein Geräusch der Zivilisation dringt durch. Es wird kaum gesprochen und Filmmusik ist fast nicht existent, nur bei Rückblenden. Wenn der Darsteller Mundharmonika spielt, zerreißt das unnatürliche Geräusch die Stille und dadurch wird diese noch präsenter. Dieses Sounddesign und die langen Kamerafahrten machen den Film düster und bedrückend. Die Schauspieler können sich nicht auf Effekte verlassen, sondern müssen den Film und die Geschichte tragen. Das tun sie auch.

What We Become (DK 2015) @FFFN 2016

In Dänemark sind die Zombies los. Gedreht aus der Sicht einer Familie in einer ruhigen dänischen Vorortsiedlung mit dem schönen Namen Sorgenfri. Sorgenfrei bleibt das Leben aber nicht lange, denn schon bald tauchen immer mehr Nachrichten von einer Virusinfektion auf, die sich immer weiter ausbreitet. Nachbarn und Verwandte sterben bzw. bleiben nicht nachhaltig tot (DAS IST JA DAS PROBLEM!!!), das Misstrauen untereinander steigt. Militär und Seuchenschutz übernehmen die Kontrolle und die Menschen sind ihnen völlig ausgeliefert, eine Flucht ist unmöglich. Sie können sich nur gegenseitig helfen. Was am Ende bleibt, ist der Horror – oder wie die Schweden so schön sagen: Snipp snapp snut, så var sagan slut!

Die Geschichte und die Charaktere sind glaubwürdig. Ein klassischer und sehenswerter Zombie-Horror. Besser als Pandemic vom Tag zuvor.

Putzig:  Der Film wurde im dänischen Original gezeigt mit englischen Untertiteln, was zu unfreiwilligen Lachern im Publikum führte. Dänisch ist aber auch eine niedliche Sprache. „Hold nu kæft“ oder so heißt „Halt die Klappe“ – wieder was gelernt!

Hardcore (RUS, USA 2016) @FFFN 2016

Ein Cyborg namens Henry erwacht in einem Labor und erinnert sich an nichts aus seinem früheren Leben.  Noch bevor alle seine „Module“ aktiviert werden können, wird das Labor von einem Bösewicht mit übernatürlichen Kräften gekapert. Henrys Frau hilft ihm bei der Flucht aus dem Labor. Natürlich muss er dann seine Frau retten. Hinweise auf ein zweites Labor und den Aufenthaltsort seiner Frau bekommt er von einem geheimnisvollen Komplizen namens Jimmy. Jimmy wird zu einem Running Gag im Film, da er mehrfach zu existieren scheint und immer wieder auf unterschiedlichste Art getötet wird. Erinnert ein wenig an Kenny von South Park.
Für Henry beginnt ein furioses Gemetzel durch Moskau, die der Zuschauer durch Henrys Augen erlebt.

Hardcore ist im Ego-Shooter-Stil gedreht worden und daher nichts für schwache Nerven, die keine drastischen Gewaltdarstellungen ertragen können. Hardcore wird seinem Namen dabei in allem gerecht. Vor dem Film wurde Werbematerial verteilt in Form einer Kotztüte. Diese kam aber bei niemandem im Publikum zum Einsatz.

hardcore-kotztuete

Im Anschluss an den Film erzählte der Regisseur-Neuling Ilya Naishuller aus dem Nähkästchen. Ilya Naishuller ist Frontsänger der russischen Rockband Biting Elbows und konzipierte auch die Musikvideos zu den Songs „The Stampede“ und „Bad Motherfucker“, die in dem gleichen Stil gedreht wurden. Es bot sich eine Gelegenheit, dieses Konzept in Spielfilmlänge auszuprobieren. Mit Erfolg. „Call of Duty“ oder „Counter-Strike“ lassen grüßen. Zum Glück bleibt uns aber auf sein Versichern hin eine 3d-Version des Films erspart, da er selbst mit dieser Technik bei Realfilmen nichts anfangen kann. Von allen Persönlichkeiten, die Jimmy verkörpert hat, waren ihm der Cocaine Jimmy, Colonel Jimmy und der Hippie Jimmy am liebsten.

Mir persönlich gefiel der Hippie Jimmy am besten, Colonel Jimmy war am witzigsten.

Ab 14.4.16 im Kino.

High-Rise (GB 2015) @FFFN 2016

Hochgeschwindigkeitsaufzüge, Supermärkte, Fitness-Studios und sogar ein Schwimmbad: Diesen Hochhauskomplex müsste kein Mensch wieder verlassen – findet sich hier doch alles, was das Herz begehrt, auf effektiv gestaltetem, perfekt designtem Raum. Als Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) in eines der Luxusapartments im 25. Stock zieht, ist er eigentlich auf der Suche nach einem Neuanfang und ein bisschen Anonymität. Doch als er in das gesellschaftliche Leben des High-Rise eintaucht, verändert sich sein Leben: Cocktailpartys, Squashduelle und sexuelle Gefälligkeiten (Sienna Miller) stehen von nun an auf der Tagesordnung.

Ein Sozialexperiment geht schief. High-Rise ist eine düstere Dystopie, in der sich Reich gegen Arm auf engstem Raum bekriegt. Eigentlich sind die Wohnungen im Hochhaus alle identisch (bis auf das Penthouse) und man müsste meinen, dass sich dadurch keine Hierarchien ausbilden. Doch die Menschheit ist anders gestrickt. Die Unterschiede zwischen den Schichten werden durch die Lage der Wohnungen ausgemacht. Je höher das Stockwerk, desto höher die Schicht. Ganz oben im Penthouse wohnt der Architekt, sinnigerweise mit dem Namen Anthony Royal (Jeremy Irons). Ganz unten wohnt der arme Richard Wilder (Luke Evans) mit seiner kinderreichen Familie. Die Reichen geben sich Dekadenz und Narzissmus hin mit Feiern und Orgien, und schotten sich arrogant ab gegen den „Pöbel“ aus den unteren Etagen. Über einen banalen Streit um die Nutzung des Schwimmbades kommt es zur Revolution, die die Gesellschaft in den Abgrund treibt. Alles spielt sich hinter der Fassade des Hochhauses ab. Die Welt draußen läuft unbeeindruckt weiter, die Bewohner gehen normal ihrer Tätigkeit in der Außenwelt nach, bevor sie wieder in die Anarchie des Hochhauses abtauchen. Hilfe von draußen wird nicht geholt, selbst als Infrastruktur und Versorgung zusammenbrechen. Man bleibt unter sich.

Bildgewaltige Verfilmung des Dystopie-Klassikers von J.G. Ballard aus den 70er Jahren. Mode, Technik und Design sind angelehnt an den Stil der 70er Jahre, so dass der Film wie eine Phantasie aus dieser Zeit wirkt. Jeremy Irons und Tom Hiddleston in den Hauptrollen geben dem Film noch darstellerisch das i-Tüpfelchen.

Sabine Miksa www.buehnenblick.de